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Der Markt der Einsteiger-Truggys wächst unaufhörlich und so ist es nicht verwunderlich, dass auch der französische Globalplayer T2M mit Vehemenz ins Geschehen eingreift. Die Speerspitze heißt in diesem Falle Hot Blood – ein Name, der den Anspruch des Modells nur allzu deutlich macht. So haben wir uns aufgemacht zu prüfen, ob der Hot Blood hält, was er verspricht und uns einmal so richtig die Arterien durchspült.
Die Schachtel des Hot Blood wirkt dank ihres aggressiven Rots sehr martialisch. Im Innern findet sich das Fahrzeug Platz sparend untergebracht neben seinen Reifen. Dass diese nicht angeschraubt sind, hat noch einen weiteren Vorteil: Da der Truggy nicht auf seinen Rädern steht, drücken sich diese nicht ein und laufen später schön rund. Für den rüden Transport per Post halten zwei massive Pappteile das Chassis an Ort und Stelle. Besser kann man ein Auto nicht verpacken. Auch sämtliche Kleinteile findet man in einzelnen Tütchen
EKG-Vorbereitung
Unter dem Chassis findet sich der Stickerbogen. Trotz der RTR-Deklarierung kommt die Karosse unbeklebt. Das gefällt uns, so unterliegt der Kunde keiner Stickerdiktatur. Jeder kann sein Fahrzeug mit sämtlichen zur Verfügung stehenden T2M-Schriftzügen bekleben wie er will oder im neutralen Style fahren. Ganz wichtig: Vor dem Bekleben immer den Schutzfilm abziehen. Am besten lassen sich die Sticker anbringen, indem man die Klebefläche vor dem Ankleben mit Seifenlauge benetzt. Dadurch lassen sich die Sticker noch einige Zeit auf dem Lexan verschieben und dabei exakt ausrichten. Den Dremel hat T2M bei der Karosse auch schon angesetzt: Alle Löcher sind vorgebohrt, die Passgenauigkeit überzeugt. Der Karosserie wurde recht viel Material spendiert, so steckt der Deckel mehr weg. Wie immer fehlt ein Kühlloch in der Frontscheibe, auch starten lässt sich die Maschine nicht mit aufgesetzter Karosse. Neben dem Modell liegt eine Funke in der Pappschachtel. Der Sender ist eine echte Überraschung: Im unscheinbaren Made-in-China-Produkt steckt FM-Technik. Das ist bei den RTR-Trucks selten und sehr willkommen. Der Empfängerquarz findet sich in der Kleinteiletüte, genau wie der Radmutternschlüssel, die Programm-CD von T2M, ein Spur-/Sturz- und vier Inbusschlüssel. Ein kleines Tütchen beinhaltet außerdem einige Ersatzschrauben aller Größen am Fahrzeug. Wozu aber einige der mitgelieferten Kunststoffteile gehören, konnte uns auch die Anleitung nicht erklären. Diese kennt Französisch und Deutsch, aber leider keine Einlaufphase. Dafür klärt sie kompetent über den Aufbau des Fahrzeugs sowie sämtliche Ersatzteilbezeichnungen und Tuningteile auf. Sogar eine separate Anleitung für den Sender liegt bei.
Konstitutionsprüfung
Der Truggy macht einen sehr soliden ersten Eindruck. Die Konstruktion ist simpel und sauber gestaltet. Nach üblicher Manier finden sich links Motor und Tank, rechts die steuernden Teile. Empfänger und Empfängerakku kommen in getrennten RC-Boxen unter. Über den Schalter für den Empfängerakku hat T2M einen Silikonschutz gebaut, so kommt kein Schmutz hinein. Jedoch ist die RC-Box nicht ganz wasserdicht, die Öffnung für die Kabel ist nach vorne gerichtet und recht groß geraten. Wer viel im Nassen unterwegs ist, kann das aber leicht mit geeigneten Klebstoffen oder Silikon abdichten. Grundsätzlich gestaltet sich das Chassis des Hot Blood auf einer Ebene, ohne Upperdeck. Die 3 Millimeter dicke Aluplatte des Chassis sorgt allein für die Torsionssteifigkeit. Halt finden die beiden Achsen über Längsstreben, die die Achsen am Chassis befestigen. Da kein Oberdeck vorhanden ist, sitzen die beiden Servos auf einer gesonderten 1,5-Millimeter-Platte, die direkt mit der RC-Box verschraubt ist. Die Konstruktion ist so gewählt, dass sich die RC-Box und die Platte mit den Servos unabhängig voneinander vom Chassis abbauen lassen. Das ist sowohl für die Pflege nach jeder Fahrt von Vorteil, als auch auf Rennen für Wartungsarbeiten.
Die Servoplatte liegt so auf dem Chassis, dass das Lenkservo die Bremsen sowie den Gashebel ohne jegliche Umlenkung ansteuern kann. Das spart Gewicht und sorgt für eine spielfreie Funktion. Der Transponderhalter findet ebenfalls hier seinen Platz, dabei wurde sowohl an Bohrungen für festverschraubte „Personal Transponder“ als auch an eine große Öffnung für Leihtransponder auf Rennen gedacht. Die Anlenkung besteht aus einem Servohorn aus Kunststoff und drei 1,5 Millimeter dicken Stahldrähten als Anlenkstangen. Die Bremsanlenkung wartet mit einem besonderen Schmankerl auf: Die Enden der beiden Bremsstangen sind über ein Gewinde in die Halter am Servohorn geschraubt. Auf den Stangen hat T2M jeweils Griffe geklemmt, mit denen die Stangen am Servohorn justiert werden und somit die Bremswirkung sehr schnell und ohne Werkzeug eingestellt werden kann. Die Verbindung von Bremsstange zum Bremshebel erfolgt über einfache Ösen. Zwischen den beiden Bremsscheiben sitzt das Mitteldifferenzial des Hot Blood. Es hat vier Planetenräder im Innern, die Konstruktion wirkt robust. Der Block mit Mitteldiff und Bremsanlage lässt sich schnell ausbauen, das ist der große Vorteil eines Chassis, das auf nur einer Chassisplatte aufbaut.
Herz-Kreislauf-System
Den Kraftfluss vom Mitteldiff zu den Achsen stellen zwei Wellen mit Knochengelenken her. Bei der Konstruktion der Achsen hat man auf die Maxime „keine Experimente“ vertraut, dadurch kommen die Achsen in bewährter Old-School-Ausführung mit Kegelraddifferenzial, gerade verzahnten Zahnrädern, Radträger aus Metall und Rechts-links-Gewindestangen für den Sturz und vorne auch für die Spur. Klassenüblich lassen sich alle Differenziale mit Silikonölen verschiedener Viskositäten sperren. Die Ausstattung und vor allem die Qualität entsprechen der angepeilten Oberklasse. Besonders die Lenkung arbeitet außerordentlich spielfrei. Vorn sorgen Kardangelenke für die verlustarme Übertragung der Kraft von den Diffs an die Räder. Gedichtete Kugellager sind Standard. Für Setup-erfahrene Kollegen bietet der Hot Blood eine große Spielwiese. An den Achsen lässt sich von der Spur bis hin zur sechsfach variierbaren Dämpferanstellung und dem Ackermanneffekt alles einstellen, was das Herz begehrt.
Selbst Stabis an beiden Achsen hat T2M dem Hot Blood spendiert, besonders gut aber haben uns die Dämpfer gefallen. Sie überzeugen durch ihre saubere Verarbeitung. Kunststoff findet sich nur an den Lochtellern, Federtellern und zur Befestigung des Dämpfers am unteren Querlenker. Eine blau eloxierte Rändelmutter spart Zeit bei der Federvorspannung auf der Strecke. Der Gummi über dem Dämpferkolben, der Dreck fern hält, ergibt wirklich Sinn und ist ein immer noch nicht besonders weit verbreitetes Detail. Auch der Luftfilter mit zwei Lagen gefällt. Die untere Lage muss feucht gehalten werden und bindet den Staub, der durch die obere Lage kommt. Die Obere bleibt trocken und hält den groben Schmutz ab. Auch die großzügige Dimensionierung finden wir gut.
Belastungsprobe
Da der Hot Blood zu 90 Prozent vormontiert in die Hände der Kunden gelangt, steht der Truggy schon bald nach dem Auspacken auf der Strecke. Beim Hot Blood müssen dazu die Räder an ihre Achsen und der Heckflügel montiert sowie die Karosserie beklebt werden. Dass der Flügel sogar ohne Bohrung beiliegt, ist unüblich. Einziger Vorteil dürfte die Möglichkeit sein, dass man über die Position des Flügels selbst entscheiden kann. Zwei 7-Millimeter-Löcher im Abstand von 25 Millimeter von der Mitte sind aber schnell gebohrt, der Flügel und auch der Flügelhalter sind massiv ausgelegt. Bezüglich der RC-Anlage muss außerdem für Strom gesorgt werden. Folgt man der Anleitung, übernehmen das vier Mignonzellen im beigelegten Halter. Wir haben uns wie immer für ein verlötetes Hump-Pack entschieden. Ist der Empfängerquarz schließlich eingebaut (liegt im Zubehörbeutel), kann es auch schon losgehen. 20-prozentiger Sprit der Firma Powerglow fließt von nun an durch die Leitungen. Wie immer bekommt der Motor auch seine Einlaufphase. Über den Ablauf der Einlaufphase muss der Kunde selbst entscheiden, die Anleitung verliert kein Wort darüber.
Der erste Tank im Standgas war schnell zu Rauch verarbeitet. Zweimal musste der Motor neu zum Leben erweckt werden, der unruhige Leerlauf ist aber nicht unüblich für Hochleistungsmotoren. Wir haben das Triebwerk danach abkühlen lassen und uns an den nächsten Tank gemacht. Nachdem mit einer R6-Glühkerze kein befriedigender Motorlauf zu erzielen war, wurde diese gegen eine R5 getauscht. Etwas sicherer lief der zweite Tank durch den Motor, aber wir waren immer noch nicht zufrieden mit dem Laufverhalten des Motors. Endgültige Besserung lieferte nur ein anderer Sprit, in diesem Fall 25-prozentiger von Powerglow. Damit lief der 28er sauber durch und hatte später nochmals mehr Druck als mit 20 Prozent Nitroanteil im Sprit. Wir waren zufrieden, haben die Einlaufphase bis zum achten Tank beendet und dem Hot Blood dann gezeigt, wie sich heißes Blut anfühlen muss. Der Motor entwickelte eine Urgewalt mit seiner R5 Kerze, 25 Prozent Nitromethananteil im Sprit und einer ordentlichen Vergasereinstellung. Bei dieser Kombination sollte allerdings die Motortemperatur im Auge behalten werden. Mit diesem Setup macht der Hot Blood auch das Blut des Fahrers heiß. Hier gilt: Wer einmal Blut geleckt hat, der will noch mehr. Der Hot Blood zog mit einem Druck nach vorne, als ginge es um sein Leben und vor einer riesigen Staubwolke rannte er die Gerade hinunter. Die Bremsen lassen sich wunderbar effektiv einstellen. Für kontrolliertes Untersteuern wird an der Vorderachse mehr gebremst, für Slides an der Hinterachse. Fliegen ist höchstens genauso schön, denkt sich unser Fahrer, von einer derartigen Gewalt fasziniert.
Kondition
Der Hot Blood ist überaus robust gebaut, die Schwingen halten auch harten Einschlägen stand, nur das Lenkservo mochte die Werkseinstellung des Servosavers überhaupt nicht. Im Servo, das löblicherweise mit einem Getriebe aus Metall arbeitet, gibt es ein Zahnrad, in das ein anderes Zahnrad gesteckt wurde um ein zweistufiges zu erhalten. Durch die Kraftwirkung hat sie die Verbindung aber aufgelöst und das eingesteckte Zahnrad drehte sich frei durch. Wir haben ein neues Getriebe eingebaut und den Servosaver weicher gestellt. So konnte dann eine interessante Testzeit mit viel Fun und Action absolviert werden.

Verwendete Ausstattung
• Motor: T2M 28
• Sender/Empfänger: T2M Racer 2 RS
• Sprit: Powerglow J2R12 mit 20/25 % Nitromethan
Bau- und Abstimmungstipps
Mit den Fahrleistungen des T2M Hot Blood waren wir im Großen und Ganzen zufrieden. Für unseren Track und zum Bashen haben wir zuerst das Chassis höher gelegt. Die Strecke war sehr uneben und sandig, das Setup eignet sich daher ideal auch zum „Drauflosheizen“ in der Sandkuhle. Die vorderen Rändelmuttern an den Dämpfern wurden etwa 10 Millimeter vorn und 15 Millimeter hinten heruntergeschraubt. Der Sturz beträgt hinten etwa 3, vorne 2 Grad. Alle anderen Einstellungen wurden von T2M übernommen.
Am Tankdeckel hilft ein Kabelbinder beim Betanken bei aufgesetzter Karosserie. Um den Tank zu erreichen, muss die Karo mit dem Dremel bearbeitet werden. Die halbe Frontscheibe wurde beim Hot Blood für ausreichende Kühlung ausgeschnitten. Im hinteren Teil der Karosse wurde am Radkasten hinten links ein Stück abgeschnitten, sodass der Seilzugstarter gezogen werden kann. Der Glühkerzenstecker kann dabei durch das werkseitig aufgeschnittene Loch über dem Kühlkörper aufgesetzt werden.
Vor der ersten Fahrt sollte besonders die Schraube im Servohorn mit Schraubensicherungslack gesichert werden. |

Durch die einfache Konstruktion auf der Chassisplatte lassen sich alle Bauteile schnell ausbauen.
Das Mitteldiff liegt zwischen den beiden Bremsen

Innen gibt’s drei Aufhängungspunkte für die oberen Querlenker. Fixiert werden die meisten Stifte im Hot Blood über E-Klipse

Die wirklich stabilen unteren Querlenker dienen auch als Stopper für die Radträger und vermeiden Schäden an der Lenkung

Auch die Einheit mit den Servos und dem Transponderhalter kann schnell demontiert werden. Gut gefallen hat uns die Anlenkung der Bremsen

Besonders die hintere Dämpferbrücke wartet mit zahlreichen Setupmöglichkeiten auf. Die Ausführung aller Fahrwerksteile ist vorbildlich

Sieben Bohrungen an den hinteren Radträgern sind ein Wort. Die Radträger aus Aluminium gefallen durch den runden Lauf der Räder

An der Vorderachse drehen löblicherweise Kardangelenkwellen die Räder

Alle Diffs kommen als Kegeldifferenziale und lassen sich sperren. Die Planetenräder laufen hinter Beilagscheiben, das verringert die Reibung und sorgt für einen besseren Lauf

Die Funke macht einen soliden Eindruck. Das Lenkrad geht aber leider zu streng und arbeitet dadurch wenig feinfühlig

Vergleicht man das Hauptzahnrad mit dem Tank, sieht man die Größe. Das Hauptzahnrad dürfte dadurch sehr langlebig sein. Im Chassis eingebaut stoßen keine Stangen aneinander, alles arbeitet einwandfrei

In der Kieskuhle kann man es mit dem hubraumstarken Motor mal so richtig krachen lassen

Der Hot Blood kapituliert vor keinem Hindernis und sei es auch noch so steil

Allrad-Performance in Reinkultur: Mit allen vier Rädern krallt sich der Offroader in den Untergrund und wirbelt dabei wilde Schmutzfontänen auf

Bei Flügen und Sprüngen zeigte der Hot Blood, dass er auch in der Luft hart zur Sache geht

Kein Hang zu steil, kein Berg zu hoch:
Der Hot Blood kämpft sich durch jedes Terrain
Text und Fotos: Fabian Birkmann
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